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Rapsfarmer-David
gegen Biotech-Goliath |
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Percy Schmeiser ist ein kanadischer Farmer von "Canola"
[eine Rapssorte], der von Monsanto, dem Agrarchemikalien- und
Biotechnologie-Riesen verklagt wurde, nachdem ein Teil von Monsantos
genmodifizierten Canola-Genen Roundup Ready von benachbarten Farmen auf sein
Land geweht wurde und seine Ernte verunreinigte.
Mr. Schmeiser, der inzwischen 70 Jahre alt ist, hat schon auf der ganzen Welt vor den verschiedensten Zuhörern über seine Erfahrungen berichtet.
Mr. Schmeiser erhielt den Mahatma-Gandhi-Preis im Oktober 2000.
Percy Schmeiser spricht an der Universität von Texas in Austin am 10. Oktober 2001:
Seit 53 Jahren bin ich Farmer, und seit 50 Jahren habe ich mich damit beschäftigt, eine natürliche Sorte Canola weiterzuentwickeln. In West-Kanada war ich dafür bekannt, daß ich Saatgut zurückbehielt und entwickelte. Neben meinem Beruf als Farmer war ich auch 25 Jahre lang im öffentlichen Leben tätig. Ich war Parlamentsmitglied und so lange auch Bürgermeister meiner Gemeinde. In all diesen Jahren im öffentlichen Leben war ich Mitglied jedes Landwirtschaftskomitees, das Sie sich vorstellen können, sowohl auf Bundes- als auch Provinzebene. Ich habe immer für die Rechte und Privilegien der Farmer und für Richtlinien und Gesetze gekämpft, die für sie von Nutzen sein würden.
Text auf dem Schirm:
Rodney Nelson baut zusammen mit seinem Vater und seinen Brüdern Sojabohnen auf ihrer Farm in North Dakota, USA, an. Auch seine Familie wird von Monsanto angeklagt, die sie beschuldigt, ihre patentierten Roundup Ready Sojabohnen aufzuheben und wiederanzubauen, was Mr. Nelson felsenfest abstreitet.
Rodney Nelson (spricht von einem Traktor auf seinem Acker - Anmerkung: für diese Veranstaltung aufgenommen):
Unsere Familie hat eine lange Tradition als "Anteils-Pächter"
[share renters]. Über die Jahre hinweg hat die Größe unserer Farm recht
dramatisch zugenommen, da wir den Leuten gegenüber immer ehrlich und fair waren.
Und ich denke, unseren Verpächtern war das klar. Deshalb kommen sie auch zu uns,
um uns eine Farm zu verpachten. Es war herzzerreißend für uns, mit anzusehen,
wie unser guter Ruf in unserer eigenen Gemeinde wegen etwas ruiniert wurde, was
wir nicht getan haben.
Seit dies begonnen hat, hat meine Familie die Hölle durchgemacht. Ich bin
sicher, daß dies dazu geführt hat, daß mein Vater vor einigen Wochen einen
Herzanfall hatte. Seit dies begonnen hat, sind er und unsere ganze Familie ein
physisches und seelisches Wrack.
Rodney Nelson:
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EIN UNSANFTES ERWACHEN |
Ich möchte Ihnen berichten, was meine Familie mit einer sehr dunklen Seite von patentierten, genmodifiziertem Saatgut erlebt hat. Meine Familie wird von der Monsanto Corporation wegen einer angeblichen Patentverletzung verklagt. Monsanto behauptet, daß wir Roundup-Ready-Sojabohnen von unserer Ernte von 1998 aufgehoben und sie 1999 wieder ausgesät hätten. Und sie meinen, daß wir diese immer noch täten. Ich kann Ihnen versichern, daß dies absolut nicht der Fall ist. Wir haben Unmengen an Beweismitteln, um dies zu widerlegen. Warum Monsanto damit weitermacht – das weiß nur Gott.
Im Sommer 2000 sprachen wir in der Familie darüber, wie ungehörig wir es fanden, daß uns Monsanto niemals einen Brief geschickt oder dafür gedankt hat, daß wir sie bei ihren Untersuchungen unseres Geschäfts unterstützten, die sie im Herbst 1999 durchführten. Wir waren wie vor den Kopf gestoßen, als wir in der zweiten Julihälfte 2000 ein Schreiben von einer Anwaltskanzlei in New Orleans erhielten, die Monsanto Co. vertraten und uns beschuldigten, wir hätten ihr Patent verletzt.
Wie nur sollen wir die Uhr zurückdrehen und Saatproben sammeln, um ein Jahr später ihre Anschuldigungen uns gegenüber zu widerlegen? Das ist Teil der Strategie von Monsanto. Jeder angeschuldigte Anbauer in der Vereinigten Staaten, mit dem ich gesprochen habe, wußte über die Taktik von Monsanto fast Identisches zu berichten.
Percy Schmeiser:
Im Jahr 1998 strengte Monsanto ohne jeglichen Vorwarnung oder Hinweis gegen mich einen Prozeß an. In der Klage stellten sie fest, ich hätte das genetisch modifizierte Canola von Monsanto ohne Lizenz und illegal in meinen Besitz gebracht und hätte ihr Patent verletzt. Vor der Hauptverhandlung ließen sie alle Anschuldigungen, ich hätte ihr Saatgut jemals illegal in meinen Besitz gebracht, fallen. Sie sagten weiter, es sei belanglos, wie das Saatgut auf mein Land gekommen sei, ich hätte dennoch ihr Patent verletzt.
Rodney Nelson:
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Gegen Ende Oktober 2001 ließ Monsanto die |
Bei dem Rechtsstreit gegen uns haben wir versucht, so gut wie möglich mit Monsanto zusammenzuarbeiten. Wir haben ihnen alle von ihnen angeforderten relevanten Unterlagen über unsere Sojabohnenernten von 1997 bis heute geschickt. Sie haben uns sogar um unsere Steuererklärungen bis zurück zum Jahre 1996 gebeten.
Als wir unsere Fragebogen an Monsanto schickten, weigerten sie sich, irgendeine unserer Fragen zu beantworten und beanspruchten „work product doctrine" [in den USA der Schutz der Ergebnisse anwaltlicher Arbeit] und Anwalts-Klienten-Privileg. Als wir die von ihnen beanspruchten unabhängigen Dritten, die ihre angebliche Proben sammelten, nach dem Ort und den Ergebnissen der genommenen Proben fragten, sagten sie uns, sie könnten diese Frage nicht beantworten, da sie als Gerichtssachverständige für Monsanto fungierten und angewiesen seien, keine Antworten zu geben.
Wir glauben, daß wir von Monsanto wegen der Größe unserer Farm ausgesucht worden waren und daß sie versuchten, ein Exempel zu statuieren und anderen Farmer Angst einzujagen, daß sie niemals ihr Saatgut aufheben würden, daß sie zu verschreckt wären, jemals ihre Saat aufzuheben, und genau das geschieht.
Percy Schmeiser:
Mein Fall kam schließlich nach zweieinhalb Jahren zur Verhandlung. Und Monsanto hat mich durch die Instanzen gezogen. Bei der Vorverhandlung setzten sie alles daran, mich zu brechen. Sie nahmen uns im Grunde alles Geld für unseren Ruhestand, da alleine meine Rechtsanwaltskosten sich bisher auf etwa $ 200,000 beliefen
Und wie lautete das Urteil des Richters nach zweieinhalb Wochen Verhandlung?
Text auf dem Schirm, während Percy spricht:
1) Es ist ohne belang, wie Monsantos patentierte Gene auf das falsche Feld
gelangten.
2) Alle fremdbestäubten Pflanzen gehen in den Besitz von Monsanto über.
3) Die Verwendung von patentierten Merkmalen ist ohne Belang, die Rechte des
Farmers sind den Patentrechten von Monsanto untergeordnet.
[Er sagte,] es sei egal, wie Monsantos genetisch modifiziertes Canola auf mein Feld gelangt. Er führte dann noch weiter aus, daß es egal sei, ob es fremdbestäubt oder vom Wind herübergeweht worden sei, von Vögeln, Bienen, Tieren, oder vom Lastwagen oder Mähdrescher eines Farmers gefallen sei. Allein durch die Tatsache, daß einige Pflanzen vorlägen, hätte ich Monsantos Patent verletzt, auch wenn ich sie nicht auf meinem Feld gewollt hätte.
Als zweiten Punkt, der, so denke ich, der wichtigste ist, entschied er, daß jeder Farmer, der eine konventionelle Pflanze hat, egal welche Pflanze, ob Baum, ob Saat, und sie wird gegen deinen Wunsch mit Monsantos Gen fremdbestäubt und zerstört dein Eigentum, meine (ja! meine) Pflanze gehört dann Monsanto.
Nun denken Sie einmal darüber nach, was dies für Farmer überall auf der Welt bedeutet, für Farmer, Gärtner, einfach alle, die etwas mit einer lebensspendenden Form zu tun haben. Mein Eigentum wird gegen meinen Wunsch Monsantos Eigentum, weil es von ihrem Gen fremdbestäubt wird.
Das dritte Problem. Hinsichtlich der Tatsache, daß ich Monsantos Patent niemals in Anspruch genommen hatte (was bedeutet, daß ich auf meinem Feld niemals Roundup Ready oder Glyphosat verwendet hatte), entschied er „das ist unwesentlich". Es sei Tatsache, sagte er, daß einige Pflanzen vorgelegen hätten. Das zeigt Ihnen also das Ausmaß der Macht des Patentgesetzes über die Rechte der Farmer.
Was war unser nächster Schritt nach diesem Urteil des Richters? Zunächst gingen wir in die Berufung beim mit drei Richtern besetzten Bundesgericht von Kanada. Wahrscheinlich kommt es nächstes Frühjahr zur Verhandlung.
Außerdem reichten wir eine Gegenklage gegen Monsanto ein, in der es heißt, daß jetzt nun ein Haftungsproblem vorliegt. Auch wenn Monsanto ein Patent besitzt, so gibt ihnen noch lange nicht das Recht, es in die Umwelt freizusetzen – eine lebensspendende Form, von der sie wußten, daß sie sie nicht beherrschen konnten, bei der sie nicht die Absicht hatten, sie zu beherrschen, und jetzt ist sie außer Kontrolle. Wir haben also ein echtes Haftungsproblem.
Wenn jeder eine lebensspendende Form patentieren kann, wo hört das auf? Wie steht´s um Tiere – Vögel, Bienen, Insekten, Fische? Wo hört das auf? Schließlich fragten wir: Kann man ein menschliches Wesen patentieren?
Jim Hightower:
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Grobschlächtige Taktiken |
Monsanto ist ein Tyrann, ein Gangster. Aus Spaß und des Profits wegen macht es sich seit langem an der Lebensmittelversorgung der Welt zu schaffen.
Percy Schmeiser:
Wie regelt Monsanto seine Vertrag? Für mich ist es der bösartigste, unterdrückerische Vertrag auf der Welt. Den Leuten ist nicht klar, was in Nordamerika geschieht - in Kanada und in den USA - den Leuten werden ihre Rechte und Freiheiten weggenommen.
Text auf dem Schirm, während Percy spricht:
1. Monsantos genmodifiziertes Saatgut darf nicht aufgehoben und wieder ausgesät werden.
2. Man muß Monsantos Markenchemikalien verwenden.
3. Man muß Monsantos Geheimhaltungsvereinbarung einhalten.
4. Man muß Monsanto jedes Jahr eine Technologiegebühr von $37 pro Hektar bezahlen.
5. Man muß Monsanto gestatten, die ganze Farm drei Jahre lang nach dem Einsatz von patentiertem Saatgut zu überwachen.
Monsanto zwingt Farmer, einen Vertrag zu unterschreiben. Laut diesem vertrag darf man niemals sein eigenes Saatgut verwenden. Man verzichtet auf alle Rechte, das eigene Saatgut verwenden zu können. Und wie ich schon sagte, laut Bundesgesetz in Kanada ist einem immer gestattet, sein eigenes Saatgut zu verwenden.
Man muß die Chemikalien von Monsanto kaufen.
Man muß auch eine Geheimhaltungserklärung unterschreiben. Und sollte man im nächsten Jahr etwas vom eigenen Saatgut verwenden und sie finden es heraus, können Sie einen bestrafen oder den ganzen Gewinn aus der Ernte einstreichen oder einen zwingen, alles zu zerstören. Über dich können sie alles sagen, aber über Monsanto darfst du nichts sagen.
Pro Hektar muß man jedes Jahr $ 37 zahlen, was eine Technologiegebühr ist.
Der abscheulichste Teil dieses Vertrages ist es, daß man zulassen muß, daß Monsantos Polizeitruppe noch drei Jahre lang, mit oder ohne die eigene Erlaubnis, auf das eigene Land kommt und die eigenen Getreidespeicher betritt, um zu kontrollieren, ob man betrügt.
Zu Farmern auf der ganzen Welt habe ich gesagt: "Unterschreibt niemals diesen Vertrag, gebt nicht euer Recht auf, das eigene Saatgut wiederzuverwenden." Denn wenn ihr das tut, werdet ihr zu Sklaven und Leibeigenen auf dem Land.
(Percy hält ein Stück Papier hoch)
Hier ist eine Anzeige, die Monsanto in Broschüren hat. Es heißt unten: „Wenn Sie meinen, Ihr Nachbar baut Monsantos Roundup Ready Canola ohne Lizenz an, verpetzen oder verpfeifen Sie ihn." Danach kommt dann Monsantos Polizeitruppe zu diesem Farmer und in sein Haus und bedroht ihn oder seine Frau und sagt: „Wir haben diesen Hinweis oder dieses Gerücht erhalten" – und sie sprechen immer von Hinweis oder Gerücht. Und wenn du nicht alles offenlegst, dann kriegen wir dich, wir machen dich kaputt, du hast dann keine Farm mehr."
Dies ist ein freies Land. Und sie kommen ungeschoren davon. Wenn nämlich ein Farmer sie auf seinem Land erwischt und ihnen sagt, „Sie dringen hier widerrechtlich ein, sie entwenden mein Getreide oder einige der Samen oder Pflanzen", dann sagt Monsanto „dann verklag´ uns doch. Wir werden durch alle Instanzen gehen. Wenn wir mit dir durch sind, hast du keine Farm mehr. Es ist die Macht des Geldes und des Einflusses.
Man kann sich also vorstellen, wie sich das auf das gesellschaftliche Gefüge einer Gemeinde auswirkt, wenn ein Farmer von zwei Monsanto-Polizisten Besuch bekommt, und normal kommen sie zu zweit. Wenn sie gegangen sind, überlegt er sich: „War es dieser Farmer, oder jener Farmer, oder dieser Nachbar, oder jener Nachbar?" Sie erleben den Zusammenbruch der Zusammenarbeit, des Vertrauens unter den Farmern.
In Nordamerika [sic], wie auch hier in den USA, müssen Farmer bei der Fortentwicklung des Lands zusammenarbeiten. Und hier haben Sie eine Firma, die so tief gesunken ist, daß sie versucht, das gesellschaftliche Gefüge unserer Gemeinden zu zerstören.
Und das reicht ihnen noch nicht. Wenn sie einen Farmer nicht zu Hause antreffen, schicken sie ihm erpresserische Briefe. Und ich meine erpresserische Briefe. In diesem Brief an einen bestimmten Farmer (und wir wissen nicht, wie viele Tausende von diesen Briefen abgeschickt werden) … im Grunde heißt es immer „Wir haben Grund zur Annahme, daß Sie möglicherweise Monsantos genetisch modifiziertes Canola ohne Lizenz anbauen. Schicken Sie uns bitte (in diesem Fall) $ 28.750, und wir erheben keine Anklage gegen Sie."
Dies sind die Erpresserschreiben. Das ist aber nicht alles, es heißt darin noch weiter: „Sie stimmen zu, daß Monsanto das Recht hat, nach eigenem Ermessen die Fakten und die Bedingungen des Vergleichs, die mit dieser Untersuchung verbunden sind, und die Abfindungsvereinbarung offenzulegen. Sie aber dürfen sich gegenüber niemandem darüber äußern." Der Redefreiheit und den Rechten der Farmer wird der Maulkorb vorgehängt.
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MEHR FARMER IM VISIER |
Wir schätzen, daß es inzwischen über 2000 Farmer gibt, die Monsanto je nach Ausgang meines Falls verklagen will. Nach unseren Schätzungen haben sie über mindestens 40,000 Farmer in Nordamerika Nachforschungen angestellt. So groß ist ihre Polizeitruppe. Bei Monsanto sind 35 ehemalige Angehörige der Königlichen Kanadischen Berittenen Polizei, die sie dafür eingestellt haben, daß sie Farmer verhören und einschüchtern.
Jim Hightower:
Monsanto wird nicht eher aufhören, als wir dem Treiben ein Ende setzen. Und um diese einfache Botschaft geht es heute abend.
Percy Schmeiser:
Warum haben Farmer 1996, als die behördliche Genehmigung erteilt wurde, sich bei Monsanto dafür gemeldet, genetisch modifiziertes Canola anzubauen? Und auf der anderen Seite der Grenze erhielt Monsanto in den USA die Erlaubnis, genetisch modifizierte Sojabohnen an Sojafarmer zu verkaufen.
Ich denke, daß folgendes die Gründe dafür waren: Erstens erzählte Monsanto den Farmern, sie hätten einen größeren Nährwert, würden größere Erträge bringen, aber vor allem weniger Chemikalien erfordern. In West-Kanada, wie auf der anderen Seite der Grenze, verwenden wir als Farmer Aberhunderte von Tonnen an Chemikalien, Insektizide, Pestizide, Herbizide, alles was Sie sich vorstellen können.
Unser Land ist verseucht. Unser Wasser ist verseucht. Die Farmer erkennen jetzt, daß wir dabei sind, uns umbringen – und die Umwelt, unsere Insekten, unsere Vögel und alles andere auch. Als die Farmer das hörten, war es nicht nur ein wirtschaftlicher Gesichtspunkt, es war die Tatsache, daß ihnen klar wurde, den Farmern wie mir, welchen Schaden wir in der Umwelt anrichten. Als nun Monsanto sagte „weniger Chemikalien", war es genau das, was die Farmer aufhorchen ließ.
Was geschah aber nach vier und fünf Jahren?
Zum ersten hatte es nicht mehr Nährwert. Es gab keine größeren Erträge. Man beachte, daß Monsanto, wenn sie von einem größerem Ertrag reden, sie niemals etwas über die Qualität sagen. Die Qualität geht auf ungefähr die Hälfte zurück. Und ein drittes Problem: von wegen weniger Chemikalien – die Farmer setzen jetzt sechs- bis zehnmal mehr Chemie ein.
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GMOs: |
Text auf dem Schirm, während Percy spricht:
3 GMO-Problembereiche:
1. Eigentumsrechte gegen Patentgesetz.
2. Gesundheit und Sicherheit.
3. Schädigung der Umwelt.
Bei GMOs geht es insgesamt um drei Problembereiche. Auf einem Gebiet bin ich involviert, Eigentumsrechte gegen Patentgesetz – das Recht der Farmer auf der ganzen Welt, ihr Saatgut einsetzen zu können. Auf dem anderen Gebiet geht es um die Gesundheit und Sicherheit von GM-Nahrungsmitteln. Das dritte Problem ist die Schädigung der Umwelt.
Rodney Nelson:
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GMOs: |
In Bismarck, North Dakota, der Hauptstadt unseres Staates, fragte im vergangenen Frühjahr ein Parlamentarier einen Vertreter von Monsanto, ab welcher Verunreinigungskonzentration auf dem Acker eines Farmers sie davon ausgingen, daß eine Patentverletzung stattgefunden habe. Es wurde uns gesagt, daß, wenn ein Farmer behauptet, ein Feld mit Sojabohnen sei GMO-frei, und Monsanto in diesem Feld nur eine einzige Pflanze findet, bei der der Test positiv ausfällt, sie dies unabhängig davon als Patentverletzung auslegen, ob der Farmer konventionelle Chemie eingesetzt hat.
Ich kann Ihnen auch versichern, daß ein Farmer in den USA von keinem großen Saatgutlieferanten Sojasaat beziehen kann, das nicht bereits mit Monsantos genetisch modifizierten Organismen verunreinigt ist.
Percy Schmeiser:
Es gibt kein reines Canola-Saatgut. Es ist alles verunreinigt.
Es gibt auch keine Eingrenzung, und zwar weil Canola inzwischen zum Superunkraut geworden ist.
Was ist ein Superunkraut?
Wenn Farmer "A" GMO-Canola von "dieser Firma" kauft und Farmer "B" kauft GMO-Canola von „jener Firma", und dort bezieht ein weiterer Farmer Canola von Monsanto, dann finden die Gene von diesen drei GMO-Saaten ihren Weg in eine herkömmliche Pflanze. Dann haben wir ein Superunkraut, weil man drei Chemikalien benötigt, um eine Pflanze zu beseitigen. In vier bis fünf Jahren hat sich dieses Superunkraut über ganz West-Kanada ausgebreitet, auf Felder, wo niemals Canola angebaut wurde. Es steckt in Weizenfeldern, in Gerstefeldern, in Haferfeldern, in Flachsfeldern, es ist überall.
Monsanto sagt: "Kein Grund zur Sorge, kein Problem. Wir bringen jetzt eine neue Superchemikalie auf den Markt." Ich kann Ihnen aber garantieren, daß wir Ende 2001, wenn alle Tests durchgeführt worden sind, in einer Pflanze fünf der GMO-Gene haben werden.
Rodney Nelson:
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SIND GMOs SICHER? |
Was den Sicherheitsaspekt dieser Produkte betrifft, … so bauen wir hier Früchte mit einem eingebauten Pestizid an, das genetisch so modifiziert ist, daß Würmer und Käfer sterben, die davon fressen. Das Pestizid findet sich in der ganzen Pflanze, auch in den Körnern, die wir essen.
Wenn wir das gleiche DNA besitzen wie diese kleinen Kreaturen, die davon fressen und es bringt sie um – also ich weiß ja nicht, was Sie meinen, aber ehrlich gesagt habe ich Schiß, diese Pflanzen zu mir zu nehmen.
Percy Schmeiser:
Weltweit gibt es keinen einzigen veröffentlichten Bericht, der von Fachleuten begutachtet wurde und der aussagt, daß genetisch modifizierte Lebensmittel sicher sind.
Rodney Nelson:
Als ich als Farmer zum ersten Mal davon hörte, daß das alles auf den Markt kommt, meinte ich, es würde alles für uns einfacher machen, und nahm an, alles würde sicher sein. Inzwischen habe ich aber erfahren, daß es nicht allein deshalb sicher ist, weil unsere Regierung es genehmigt und Firmen es einführen. Sehen wir einmal in die Vergangenheit zurück … uns wurde gesagt, PCBs seien sicher. DDT sei sicher, so sagte man. Es gibt einen alten Werbeclip, der von der Regierung veröffentlicht wurde und in dem Kinder an einem Picknicktisch gezeigt wurden, während ein DDT-Nebel über sie hinwegzog – weil die Chemiefirmen, die es herstellten, unserer Regierung und den Leuten versicherten, daß das alles sicher sei.
Die Liste mit solchen Produkten ließe sich beliebig fortsetzen. Viele Jahre später wissen wir nun, daß sie alle sehr gefährlich waren. Sie sind wahrscheinlich der Grund dafür, daß unser Land die höchste Krebsrate unter allen Ländern weltweit hat.
Es wird uns jetzt erzählt, daß diese genetisch modifizierten Feldfrüchte sicher seien. [lange Pause] Ich glaube das nicht.
Percy Schmeiser:
Die kanadische Lebensmittelüberwachungsbehörde, eine Abteilung des kanadischen Landwirtschaftsministeriums, und AgCanada haben von Monsanto Zuschüsse für Forschungsarbeiten an landwirtschaftlichen Teststandorten und Entwicklungsstandorten in West-Kanada erhalten. Es ist herausgekommen, daß diese Leute, nachdem sie Zuschüsse von Monsanto angenommen hatten, auch die waren, die Monsanto die behördlichen Genehmigung erteilten, GMO-Canola an Farmer zu verkaufen. Einerseits nahmen sie also die Zuschüsse an, und andererseits erteilten sie behördliche Genehmigungen.
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Geld spricht, |
Die kanadische Lebensmittelüberwachungsbehörde, die als eine der zuverlässigsten und vertrauenswürdigsten Behörden in Kanada angesehen wurde, was die Sicherheit von Lebensmitteln betrifft, gestand bei meinem Prozeß ein, daß sie genetisch modifizierte Lebensmittel nicht getestet hatten. Sie hatten lediglich Monsantos Daten verwendet.
Fred Walters, Redakteur und Verleger der Zeitschrift Acres USA:
Monsantos Antwort lautet: "Monsanto sollte nicht die Aufgabe haben, sich für die Sicherheit von Biotech-Lebensmittel zu verbürgen. Wir sind daran interessiert, soviel wie möglich davon zu verkaufen. Die Sicherheit zu garantieren, ist die Aufgabe der FDA [Federal Drug Administration – US-amerikanische Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde]" Dies aus dem Munde von Phil Angel, einem Monsanto-Sprecher.
Auf dem Schirm eingeblendeter Text:
Percy Schmeisers Website www.percyschmeiser.com
Letztendlich machen also unsere Regierungsbehörden gemeinsame Sache mit Monsanto, indem sie ihre Zuschüsse annehmen und ihnen dafür behördliche Genehmigungen erteilen. Ich bin sicher, daß das auch in den USA so läuft.
Rodney Nelson:
Ich schrieb an unseren Generalstaatsanwalt John Ashcroft und bat ihm um Hilfe bei dieser monumentalen Krise, in der die Farmer stecken. Seine Antwort war, daß es bei ihnen nicht üblich ist, bei privaten Rechtsstreitigkeiten Stellung zu beziehen. Seitdem habe ich erfahren, daß Ashcroft dem amerikanischen Obersten Gerichtshof Unterlagen hinsichtlich einer ähnlichen Patentverletzung zukommen ließ, über die diesen Oktober eine Anhörung stattfinden soll. Er forderte den Obersten Gerichtshof auf, diese neuen Pflanzenpatente zu bestätigen, um die Firmen, die diese Patente besitzen, zu schützen. Ich erfuhr auch, daß von allen Spenden, die Monsanto im Jahre 2000 irgendwelchen politischen Kandidaten gab, die größte Wahlkampfspende Ashcroft erhielt, der vergeblich versuchte, wieder in den Senat gewählt zu werden. Dies herauszufinden war wie ein kalter Waschlappen ins Gesicht. Man fragt sich dann doch, ob nicht unsere ganze Regierung zum Verkauf steht für den, der am meisten bietet.
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GMOs, aber |
Ich bin häufig gefragt worden, ob ich völlig gegen GMOs bin. Das ist schwer zu beantworten. Ich bin sicher, wir wollen alle in der neuen Technologie an der Spitze sein. Bei GMOs aber frage ich, zu welchem Preis?
Wenn etwas in die Umwelt freigesetzt wird, eine lebensspendende Form, die die Eigenschaft von anderen zerstört, dann finde ich das falsch. Wenn es nicht sicher ist zum Essen, wenn es für unsere Umwelt nicht sicher ist, dann sage ich, es ist falsch. Dann sollten wir auch nach dem Vorsorgeprinzip handeln und langsam vorgehen. Genau das müssen wir bei der ganzen Problematik der GMOs machen. Doch bis es soweit ist, sage ich Nein zu GMOs.
Jim Hightower:
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KEINE KENNZEICHNUNG NÖTIG |
Percy, hier in Texas haben wir einen Spruch. Wenn du feststellt, daß du dir ein Loch gegraben hast, dann sollst du zuerst aufhören zu graben. Das Landwirtschafts-Establishment jedoch, die Großfirmen und ihre Marionetten in der Regierung, sagen weiterhin, wir müßten noch tiefer graben. Wenn 4 Milliarden Tonnen Pestizide jedes Jahr nicht genug Schaden an unserer Nahrung, unserer Umwelt und uns selbst anrichten, dann mischen wird diesem Kafkaesken Eintopf einfach noch Gentechnik bei. Doktern wir sogar noch etwas am DNA unserer Nahrung herum, transgene Mutationen. Und dann sagen sie noch: „Da haben wir noch eine Idee gehabt: Führen wir doch unsere Kunden an der Nase herum, indem wir die Kennzeichnung verbieten."
Fred Walters:
Der berühmte Molekularbiologe John Fagan sagte, "Wenn GMO-Produkte nicht gekennzeichnet werden, wird es für Wissenschaftler sehr schwierig sein, die Ursache einer neuen Krankheit herauszufinden, die von genetisch modifizierter Nahrung verursacht wird."
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GENETISCHER GAU? |
Dr. Erwin Chargoff ist ein eminenter Biochemiker. Er wir oft als der Vater der Molekularbiologie bezeichnet. Er betrachtet Gentechnik als ein „molekulares Auschwitz" und warnt davor, daß "die Gentechnik für die Welt eine größere Gefahr darstellt als der Beginn der Nukleartechnologie. Ein nicht umkehrbarer Angriff auf die Biosphäre ist etwas so Unerhörtes, so undenkbar für frühere Generationen, daß ich mir nur wünschte, meine wäre daran nicht schuld gewesen."
Jim Hightower:
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Kontrolle übernehmen |
Dieses Problem ist das wichtigste grundlegende Problem der Demokratie. Es stellt die Frage, die nach Demokratie trachtende Menschen immer fragen mußten. „Wer um Himmels willen wird nur am Hebel sitzen? Eine handvoll Großfirmen-Gierköpfe oder wir, das Volk?" Darauf läuft doch alles hinaus. Wer wird die Entscheidungen in einer Gesellschaft treffen, die sich angeblich selbst regiert?
Mary Helen Lease war eine berühmte und beliebte Rednerin, ein feurige Rednerin. In den 70er und 80er Jahren des 19. Jahrhunderts, als Frauen noch nicht einmal Stimmrecht hatten, hielt Mary Helen Lease politische Reden und bekämpfte die Monopolmacht, die damals Farmer von ihrem Land vertrieb. Damals rief sie die Maisfarmer der Staaten in den Ebenen des mittleren Westens auf, „Es ist an der Zeit, weniger Mais anzubauen und dafür mehr Krach zu schlagen" ["It’s time to raise less corn and more hell."]
Ich denke, das ist auch unsere Aufgabe.
Vielen Dank, daß Sie heute gekommen sind.
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AKTIV WERDEN |
Percy Schmeiser
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Die (amerikanische) Kampagne zur Kennzeichnung von genetisch modifizierter Nahrung www.thecampaign.org·
Organic Consumers Association (Organischer Verbraucherverband) www.organicconsumers.org
GESCHICHTEN VON FARMERN
·
Percy Schmeiser www.percyschmeiser.com·
Rodney Nelson www.nelsonfarm.net
WEITERE INFORMATIONEN (auf Englisch)
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Say No To GMOs! [Sag´ Nein zu GMOs] www.saynotogmos.org·
Sierra Club www.sierraclub.org/biotech/·
Crop Choice www.cropchoice.com
Auszug aus:
Genetically Engineered Seeds of Controversy: Biotech Bullies Threaten
Farmer and Consumer Rights. 10. Oktober 2001, University of Texas in Austin,
USA
Videographie:
Tim Jones, Kathy Nelson, Pam Thompson und Stefan Wray
Die Meinungen und Tatsachen, die in dieser Produktion zum Ausdruck gekommen sind, sind die der Teilnehmer und stellen nicht notwendigerweise die Meinungen der an der Produktion Beteiligten dar.
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